Grönland-Pannen-Kreuzfahrt
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„Grönland im Sommer“ an Bord von MS VISTAMAR vom 3.-16.8.2007
Am 3.8.2007 starteten ca. 270 Passagiere erwartungsfroh zu einer 13-tägigen Kreuzfahrt "Grönland im Sommer" an Bord von MS VISTAMAR. Leider wurde diese Fahrt zu einer Aneinanderreihung von Pannen und begann schon mit einer 3 stündigen Verspätung des Abfluges der Condor-Chartermaschine in Frankfurt nach Sondre/Grönland wegen "verdächtiger Gerüche im vorderen Teil der Kabine". Also, alle raus aus dem Flieger und mit Bussen für 2 Stunden zurück in die Wartehalle. Ohne irgendeinen Getränkeservice seitens der Airline oder von plantours & partner. Der Defekt wurde behoben und wir flogen nach Grönland.
Es wurde der anschließende Zeitplan gemäß Ausschreibung, bis auf die Abfahrt in Sondre/Grönland, während der gesamten Kreuzfahrt in keiner Weise eingehalten.
In die Disko-Bucht fuhren wir nur ein und nach dem Landgang in Jakobshavn/Ilulisat mit Besichtigung des Eisfjords wieder aus. Vom laut Programm angekündigten "ganztägigem Kreuzen", bei zu unserem Zeitpunkt herrlichstem Wetter, keine Spur. Wo blieb da „Grönland im Sommer“ erleben, um zu unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten Eisberge, so groß wie Kathedralen, an sich vorbeiziehen zu lassen? Warum diese Eile, warum wollte die Schiffsleitung „Zeit sparen“. Im neuen aktuellen Vistamar-Katalog steht übrigens nicht mehr „Kreuzen in der Disko-Bucht“ (ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt).
Zwar einen Tag zu früh, aber die Anlandung in Holsteinsborg/Sisimiut war o.k.. Drei fürs Museum angeforderte Führer waren allerdings für den nächsten Tag bestellt und darum nicht da. Pech gehabt.
Auch in Nuuk kamen wir 1 Tag zu früh an, blieben über Nacht auf Reede und konnten erst am nächsten Vormittag in den Hafen. Laut Durchsage des Kreuzfahrtdirektors war die Pier belegt, ein Schiff lag wartend auf Reede und der Wind sei zu stark. Eine Schutzbehauptung? Wir werden klären lassen, für welchen Tag wir wann angemeldet wurden. Nachdem Öl und Trinkwasser aufgenommen wurde, fuhren wir statt um 12.00 Uhr um 24.00 Uhr ab.
Die geplante Anlandung in Julianehab war, lt. Durchsage, wegen Eisgang nicht möglich, die Alternative in Paamiut wurde aus Zeitgründen gestrichen. Wegen diesr Landgänge hatten wir jedoch die Reise gebucht!
Gemäß Lautsprecherdurchsage des Kreuzfahrtdirektors während des Mittagessens!!! (für solch eine wichtige Information bittet man normalerweise alle Passagiere in den Salon und teilt Ihnen die unangenehme Mitteilung persönlich mit) und eines anschließenden Schreibens von plantours & partner, wurde uns auf dem Weg von Grönland nach Island mitgeteilt, man habe in Nuuk angeblich verunreinigten Treibstoff aufgenommen, dieser verstopfe die Filter und das Schiff könne dadurch keine volle Fahrt mehr aufnehmen (ob das wirklich der Wahrheit entspricht? Auch das wird zu überprüfen sein). Eine angemessene Entschädigung wurde in Aussicht gestellt.
Jetzt war der Gerüchteküche natürlich Tor und Tür geöffnet. Es verbreiteten sich an Bord sofort wilde Vermutungen. Unsicherheit und Ängste machten sich breit. Die engagierte, aber nicht immer angemessen hantierende, Kreuzfahrt- und Reiseleitung an Bord (sie war wahrscheinlich einfach „von oben“ weisungsgebunden) hatte alle Hände voll zu tun, aufgebrachte Gäste zu beruhigen.
Der Kreuzfahrtdirektor wollte nicht mit „Gruppen“ verhandeln, sondern nur „Einzelgespräche“ führen. Eine bizarre Situation. Nur noch 12 statt 16,5 Knoten Höchstgeschwindigkeit führten zu erheblicher Zeitverzögerung.
Um die aufgewühlten Gemüter zu beruhigen, bot Herr Grieshaber an, nicht nur die Interessen seiner Reisegruppe sondern auch die anderer Passagiere nach Rückkehr an Land zu vertreten. Er schlug vor, eine Interessengemeinschaft zu bilden und erhielt, noch an Bord, die Adressen von ca. 150 Passagieren, um ihre berechtigen Interessen durchzusetzen.
Alle folgenden Landausflüge für Island sowie die Faröer- und Orkney-Inseln wurden storniert und noch an Bord zurückgezahlt. Jetzt war Seefahrt angesagt. Wer hatte denn so etwas gebucht und dafür viel Geld ausgegeben?
Statt ums Kap Farvel, mit der Möglichkeit weitere Eisberge zu sichten, fuhren wir bei herrlichstem Wetter 3 längere Stunden durch den ausnahmsweise eisfreien Prinz Christian Sund mit Anblicken, die ich ähnlich von Norwegen kenne.
Ankunft in Reykjavik statt 8.00 Uhr um 17.30 Uhr, ebenfalls bei schönstem Wetter. Ein Fiasko. Die Reiseleitung bot ersatzweise eine Fahrt mit Taxen zur „Blauen Lagune“ an, zu Selbstkosten (€ 80 pro Person) und ohne Führung. Alternativ konnte jeder für sich in die Stadt gehen. Ca. 45 Personen verließen auf Island das Schiff, da sie Sicherheitsbedenken hatten bzw. sich Island anschauen wollten und der absehbar weitere 5-tägige Reiseverlauf ohne die vorgesehenen halbtägigen Anlandungen auf den Faröer- und Orkney-Inseln nicht ihrer Buchungsvorstellung entsprach. Die Reederei besorgte Hotels und Flüge auf Kosten der ausgestiegenen Passagiere. Diese Kosten werden viele Reisende versuchen wieder zurückzubekommen, zur Not auch übers Gericht.
Aufgrund mehrerer dringlicher telefonischer Anfragen von Herrn Jürgen Grieshaber (Leiter einer größeren Gästegruppe) bei der isländischen Coast Guard, schickte diese, alarmiert über die Informationen des Briefes der Reiseleitung, den Schiffsagenten mit einer Mitarbeiterin als „Deputy“ (Erfüllungsgehilfen) noch gegen Mitternacht an Bord. Im Beisein von Herrn Grieshaber bezeichnete der hinzugezogene Kapitän den Brief von plantours & partner schlicht als falsch, der ebenfalls anwesende Staff-Kapitän sprach sogar von einer Lüge. Denn es sei kein „Treibstoff“ sondern nur technischer Diesel für Aggregate aufgenommen worden und die Filter seinen übrigens selbstreinigend. Das Schiff sei o.k.. Auch hätte er von dem Brief erst durch einen Suiten-Passagier erfahren. Daraufhin sah die Coast-Guard keinen Anlass zum Eingreifen.
Danach ging die Fahrt, ohne halbtägige Zwischenstopps auf den Faröer bzw. Orkney-Inseln (und immer mit der Angst im Nacken: Halten die Maschinen mit verstopften Filtern?) 5 Tage lang direkt nach Kiel. Anlandung dort am 16.8., statt um 8 Uhr um 22.30 Uhr. Die neuen Ostsee-Gäste warteten, nach einem spendierten Abendessen, schon ungeduldig im Terminal. Plantours & partner besorgte auf eigene Kosten Hotelzimmer und Transfers und buchte Flüge um. Alle Reiseteilnehmer erreichten Ihr zuhause erst am Folgetag.
Die Reederei schickte als "goodwill" an alle Reisenden einen Scheck mit 30% Vergütung auf den Fahrpreis. An einige auch erst nach Anmahnung. Jürgen Grieshaber teilte mit, dass er die ganze Fahrt von Fachleuten anhand eines Beweis-Sicherungs-Verfahrens überprüfen lassen wird und den Vorfall einem Spezialanwalt übergibt, sollte es nicht noch zu einer gütlichen Einigung mit plantours & partner über die 30% hinaus kommen (anvisiert sind 60% vom Kreuzfahrtpreis). Die Chancen, dass dieser erheblich höhere Prozentsatz zu zahlen ist, dürfte aufgrund der Vorkommnisse, resultierend aus der Vorgeschichte der Vistamar(siehe weiter unten), groß sein.
Er rät, die Schecks umgehend, aber unter Vorbehalt, einzulösen, zusätzlich innerhalb der gesetzlich vorgegebenen 30 Tage Frist bei plantours & partner die Reise zu reklamieren bzw. sich durch ihn anhand einer Vollmacht vertreten zu lassen und seine Stellungnahmen bzw. einen eventuellen Richterspruch abzuwarten.
Eine Stellungnahme von plantours & partner in Hinblick auf Prüfung der Reklamationen, aufgrund seines Reklamationsbriefes, wurde auf den 7.9.2007 terminiert.
Zum Schluss: Interessant ist, dass gemäß verschiedener Internet-Blogs die Vistamar im März 2006 von Durban bis Namibia erhebliche Verspätungen und Landausflugs-Ausfälle zu verzeichnen hatte und in Kapstadt die Maschine repariert wurde. Am 3.5.2006 wurde die Vistamar sogar für 1 Tag in Barcelona und am 17. bzw. 19.5.2006 in Tilbury/London wegen erheblicher sicherheits- und technisch relevanter Mängel „an die Kette gelegt“. Alle Passagiere mussten von Bord und den Heimflug antreten. Bei der Überfahrt am 28.5.2006, im Nord-Ostsee-Kanal, fuhr das Schiff dann auch noch in die Uferböschung und musste frei geschleppt und in der Werft repariert werden. Im Dezember 2006, auf der Transatlantik-Route von Barcelona nach Rio de Janeiro, kam die Vistamar mit 28-stündiger Verspätung aus der Werft in Barcelona an, alle Ausflüge bis Teneriffa wurden daraufhin gestrichen und den Teilnehmern angeboten, nachhause zu fliegen oder zum Null-Preis weiter bis Rio mit zu fahren. Im letzten Jahr fiel eine Grönland-Kreuzfahrt wegen eines Defektes an der Wasseraufbereitungsanlage und daraus resultierendem Werftaufenthalt komplett aus. Alle Passagiere bekamen ihr Geld zurück und 10% Rabatt für die nächste Fahrt mit der Vistamar. Und auch die Kreuzfahrt vor der unseren, von Spitzbergen nach Grönland, war aufgrund von Informationen einer Passagierin, in den letzten Tage der Reise von gravierenden Verspätungen gekennzeichnet, die ebenfalls zu Reklamationen führten. Auch hier fiel seltsamerweise das Kreuzen in der Diskobucht aus. Wahrscheinlich deuteten sich hier schon Probleme mit der Maschine an. Und die anschließende Ostsee-Kreuzfahrt hatte wahrscheinlich ebenfalls Verspätungen.
Liebe plantours & partner Inhaber: Ich kann Ihnen nur raten, unterschätzt Eure Kunden nicht. Wie Sie sehen funktioniert die Vernetzung und alles kommt ans Tageslicht. Was sicherlich auch ein Richter in seinem Urteil zu würdigen weiß.
Hier geht es jetzt meiner Meinung nach gar nicht mehr nur um Geld für ausgefallene Leistungen. Jetzt müsste das Schiff sofort in die Werft, um die notwendigen Reparaturen an der Maschine (bringt nicht mehr volle Leistung), dem Klimasystem (Kabinen teilweise viel zu warm und nicht regulierbar) und der Warmwasser-Versorgung (anfangs duschten wir kalt. Die Rezeptionistin schlug ernsthaft vor, dass nicht alle auf einmal duschen. Ab 8.00 Uhr wäre am Besten) durchzuführen. Mir ist klar, dass der Ausfall von Reisen viel Geld kostet und die Reparaturen noch mehr. Aber wenn es so weitergeht, vergrault plantours & partner auch noch seine Stammkunden, die Neukunden sowieso und produziert ständig weiteren Ärger und Frust. Was auf Sicht ja ebenfalls Unsummen verschlingt. Die Zeit des „Kopf Einziehens und durch“ sollte vorbei sein.
Liebe Inhaber: Was für alle Mitarbeiter im Büro von plantours & partner und an Bord besonders schlimm ist: Sie „reißen sich buchstäblich den Hintern auf“, sind freundlich, hilfsbereit und kompetent. An Bord gibt es prima Essen, das Schiff ist eigentlich wunderschön, die Routen sind exzellent und das Preis-/Leistungsverhältnis würde ebenfalls stimmen. Aber als Inhaber, der Geschäftsführer Herr Steuber ist letztlich auch nur weisungsgebunden, scheinen Sie den Ernst der Lage nicht zu erfassen oder sind finanziell total am Ende. Was Sie sich, als Inhaber - und Sie sind die wahren Verantwortlichen - momentan leisten, ist aus meiner Sicht Verhöhnung von Gäste-Interessen.
Da stellt sich mir die Frage: Wie kann man einem Veranstalter bei solch einem Verhalten wirkungsvoll Einhalt gebieten? Ich bitte Euch um Vorschläge.
Jetzt soll ja der Motor total überholt worden sein. Aber plantours & partner haben sich bei mir noch nicht gemeldet. Vielleicht, weil wir jetzt vor Gericht gehen und ich die Öffentlichkeit z.B. in solch einem Blog suche?
Hier nun die neueste Entwicklung im Februar und März 2008:
plantours & partner hat an alle Passagiere, die wir vertreten, einen weiteren Scheck in Höhe von 10% des Reisepreises geschickt, der eingelöst werden kann, wie immer die Auseinandersetzung ausgeht.
Das bedeutet: 101 Passagiere (fast die Hälfte der Passagiere) haben bis jetzt immerhin 40% des Reisepreises einer total verkorksten Grönland-Kreuzfahrt zurückbekommen. Unser Fachanwalt und wir meinen jedoch, dass uns rund 80% des Kreuzfahrtpreises als Ersatz zustehen, da es auch einen Rechtsanspruch auf „nutzlos vertane Zeit“ gibt.
Da alle gütlichen Einigungsversuche gescheitert sind, erheben wir somit Klage auf Erstattung von 80% des Kreuzfahrtpreises gegen-über plantours beim Amtsgericht in Bremen.
Warum wir glauben gute Karten zu haben? Laut Presseinformationen wurde MS VISTAMAR im November anlässlich eines längeren Werftaufenthaltes renoviert. Auch der Motor. Das dieser jetzt wieder 16 Knoten läuft, wollte der Geschäftsführer von plantours, Herr Steuber, uns leider nicht bestätigen. Er ließ unsere entsprechende Email unbeantwortet. Jetzt wissen wir auch warum:
2 Passagiere lasen unseren vorstehenden Bericht über die Grönland-Kreuzfahrt und teilten uns mit, dass sie auf ihren Vistamar-Kreuzfahrten vom 20.7. - 3.8.2007 (also genau vor unserer Fahrt) und jetzt wieder in 2008 vom 18.1. - 30.1. bzw. zum 17.2., anlässlich einer Antarktis- bzw. Südamerika-Kreuzfahrt, das gleiche Dilemma wie von uns berichtet erlebten!!!
Das bedeutet im Klartext: Einige ausgeschriebene attraktive südamerikanische Routen und Reiseziele, die die Passagiere auch in 2008 zum Buchen „verführten“ und all die Strapazen einer langen Fluganreise auf sich nehmen ließen, konnten aufgrund der verringerten Motorleistung nicht erbracht werden.
Und bei Reklamationen gegenüber plantours läuft dann das gleiche Prozedere ab wie bei uns. Es muss sich also ein Anwalt genommen und vor Gericht sein Recht eingeklagt werden. Einer dieser Teilnehmer sprach in diesem Zusammenhang inzwischen von „Betrug an den Kunden“. Denn wie anders soll man es ausdrücken wenn wissend Routen und Ausflugsziele angeboten werden, die nicht eingehalten werden können?
Mein aktueller Kommentar zu diesen Erlebnissen:
Leider ruiniert eine bekannte und beliebte Reederei sich mit solchen Methoden selbst - langsam, aber sicher.
Wenn Sie als neuer Passagier oder Verantwortlicher in einem Reisebüro oder Verlag planen, eine Kreuzfahrt mit MS VISTAMAR zu buchen, wissen Sie ab jetzt, was auf Sie zukommen kann!!!
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